Dietmar Baumgarte Dezember 14th, 2009
Ab und an gibt es im Leben eigenartige Dinge, auf die man wirklich verzichten könnte, wenn man denn auch gut damit Leben kann. So auch dieses Ereignis, welches völlig unerwartet mein bisheriges Leben doch leicht aus der Bahn geworfen hat.

Nachdem es mir über Wochen hinweg alles andere als gut ging und ich rund drei Wochen mit einer heftigen Bronchitis und typischen Grippesymptomen am kämpfen war, ging es mir wieder einigermaßen gut. Einziges wo ich bis Dato nicht verstanden habe neben der ungewöhnlichen Länge der Bronchitis, warum ich täglich Unmengen an Wasser und Tee getrunken habe. Ich erklärte es mir bis dahin aufgrund der Bronchitis, was ja eigentlich nicht unbedingt ungewöhnlich ist, dass man etwas mehr trinkt als normal. Die Mengen an Trinken wurde jedoch immer mehr, bis ich vor der Noteinweisung in das Krankenhaus sechs bis acht Liter Wasser trank und immer noch Durst hatte. Zunehmend war ich von Tag zu Tag immer schlapper, musste laufend auf die Toilette (im Schnitt alle ein bis zwei Stunden, sogar Nachts), hatte das Gefühl die Krätze zu haben weil ich mich laufend kratzen musste, nahm einige Kilos binnen kurzer Zeit ab und war unsagbar müde und schlapp den ganzen Tag über. Da ich dann doch irgendwo langsam aber sicher richtig genervt war von der vielen Trinkerei, ging ich dann stocknüchtern am Montag den 30. November zum Doc, welcher nach einem Blutzuckertest fast aus allen Wolken gefallen ist, da der Wert bereits bei 365 lag (hatte rund 10 Stunden nichts mehr gegessen). Ein normaler Mensch hat Nüchtern einen Blutzuckerwert von um die etwa 70 bis 90. Hinzu kam, dass ich einen hohen Ketonwert hatte (Ketoazidose), welcher ebenfalls äußerst bedenklich war. Ab einem Blutzuckerwert von ca. 400 ist die Gefahr sehr hoch, dass man in ein diabetisches Koma fallen kann in Verbindung mit einer Ketoazidose. Ich möchte nicht wissen, welche Werte ich nach einer Mahlzeit hatte. Kurioser Weise war ich zwei Tage zuvor bei der Eröffnung des Nürnberger Christkindlesmarkt, wo ich sogar eine Glühweinzuckerbombe mit Alk getrunken hatte. Danach ging es mir fürchterlich schlecht und ich war schier am austrocknen. Gut das ich keinen zweiten getrunken habe, damit hätte ich mich mühelos ins Nirvana beamen können!
Nachdem ich beim Doc war, wurde ich postwendend in das Nürnberger Nordklinikum eingewiesen und wo ich dann zehn Tage Stationär verbrachte. In den Tagen musste ich unzählige Untersuchungen über mich ergehen lassen und wurde auf zwei verschiedene Insulinarten eingestellt. Leider ist das ganze auch mit einer Ernährungsumstellung verbunden, wobei ich nach wie vor alles Essen kann wie bisher, nur nicht mehr so viel und wesentlich gesünder. Die ersten Tage war es eine enorme Umstellung, dennoch fällt es mir nicht sonderlich schwer, da ich gerne und viel Gemüse esse und Balaststoffreiches Körnerbrot mag.

Ausgelöst wurde das ganze sehr wahrscheinlich durch Wirbelsäulenrheuma (Morbus Bechterev), woran ich seit ein paar Jahren leide und behandelt werde. Viele Menschen mit Wirbelsäulenrheuma bekommen kurz über lang Diabetes. Ich habe zwar etwas Bauch, bin dennoch sehr schlank, so dass eine Altersdiabetes Typ 2 in meinem Fall nicht zutrifft, zumal ich dafür auch etwas zu jung wäre, wenn auch Typ 2 in jedem Alter auftreten kann. Typ 2 Diabetes kann meistens mit Tabletten behandelt werden, was bei Typ 1 nicht der Fall ist und wo nach einem ICT Schema gespritzt wird Genau deswegen muss ich nun den Rest meines Lebens zwei verschiedene Insulinarten mindestens drei mal am Tag spritzen (Basis-Insulin jeweils zwei mal am Tag und vor dem Essen ein Bolus-Insulin), damit die Zuckerwerte stabil bleiben. Hier muss man dann doch etwas Rechnen, da die Gefahr einer Unterzukerung (Hypoglykämie) genau so gefährlich sein kann, wie eine Überzuckerung (Hyperglykämie). Da ich einige Jahre als Koch gearbeitet habe, fällt mir das ausrechnen nicht sonderlich schwer, zumal auf sämtlichen Lebensmitteln ohnehin Angaben zu finden sind. Ansonsten schaue ich in einem meiner neuen Büchlein rein, die ich mir extra besorgt habe.

Alles in allem eine sonderbare Sache, die ich immer noch am verdauen bin, wobei ich mir aber die größte Mühe gebe. Es ist eben eine Umstellung die Ihre Zeit brauch, zumindest kann ich damit steinalt werden. Zur Zeit lese ich viel im Internet und bin unter anderem auf der Suche nach einer Selbsthilfegruppe in Nürnberg/Fürth/Erlangen (weis hier vielleicht jemand eine gute, finde kaum etwas im Netz!?), da ich gerne wissen möchte, wie andere damit in Ihrem täglichen Alltag umgehen. Ferner möchte ich gerne ein bisschen sportlicher werden, deswegen bewege ich mich jeden Tag mindestens eine Stunde, was wiederum stabileren Zuckerwerten zugute kommt.
Trotz allem werde ich mir nicht nehmen lassen ab und an was leckeres zu futtern, wenn auch mit ein paar Abstrichen. Träumen darf man ja…

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